DIAGNOSE FERNWEH ODER AUF GEPACKTEN KOFFERN

 

   „Warst du denn dort? Hast du das alles selbst erlebt? Und wie bist du auf deine Buchidee gekommen?" Drei Fragen, die ich immer wieder gestellt bekomme, meist alle auf einmal, ohne Punkt und Komma. Und tatsächlich lassen sie sich nur alle auf einmal beantworten, denn das eine geht nicht ohne das andere: Ja, ich war dort, und nein, ich habe nicht alles selbst erlebt – hätte ich das Jadepferd gefunden, hätte ich es abgegeben wie die meisten vernünftigen Menschen, und die Geschichte wäre vorbei gewesen.


   Aber ich bin tatsächlich mit einem Sleeper-Bus durch die Wüste gefahren (der Gott sei Dank keinen Unfall hatte), ich habe mich in Kashgars Altstadt verirrt und wäre beinahe in die Baugrube gefallen. Gastfreundliche Uighuren luden mich in ihr Haus und sogar auf eine Hochzeit ein, und ich bin sowohl im Hochsommer bei 50 Grad im Schatten als auch im Winter bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durch die Oasen der Seidenstraße gewandert. Sie ahnen es schon: Hätte ich all dies nicht erlebt, wäre mir niemals die Geschichte des Jadepferds eingefallen. Aber ich fange lieber von vorn an.


   Ich hatte schon immer Fernweh, und diese Leidenschaft fürs Reisen war mindestens ebenso ausgeprägt ist wie meine Leidenschaft fürs Zeichnen. Schon während meines Grafik-Design-Studiums Ende der Achtziger stand ich die halben Semesterferien am Fließband, um mit dem verdienten Geld die andere Hälfte zu finanzieren, die ich in Griechenland verbrachte. Nach dem Studium arbeitete ich als Grafikerin, später als Art-Direktorin in der Werbung. Jetzt hatte ich mehr Geld und weniger Zeit, dehnte meinen Horizont aber immer weiter aus: Afrika, Südostasien. Ich zeichnete und illustrierte nach wie vor viel, das Schreiben hatte ich jedoch noch nicht entdeckt.


   Als ich meinen Mann kennenlernte, war es bald beschlossene Sache, dass wir eine lange Weltreise unternehmen würden. Wir sparten, sparten, sparten, und Ende 1998 ging es los. Wir packten alles, was wir zu benötigen glaubten, in zwei Rucksäcke und flogen nach Kuala Lumpur. Es folgten zwei überaus spannende Jahre, in denen wir von den abgelegenen Inseln Ostindonesiens bis zu den Pässen des Himalayas, vom beschaulichen Inle-See in Burma bis zu der chaotischen Megalopolis Bangkok und von den dampfenden Dschungeln Malaysias bis zu den Wüsten Zentralasiens reisten. Ich schleppte hundert Aquarelle und tausend Seiten Tagebuch wieder nach Hause.


    Wir blieben drei Jahre in Deutschland, bis es uns erneut nach Asien zog. Ich arbeitete in dieser Zeit in der Werbung, schrieb jetzt auch Werbetexte und einen langen Reisebericht. Ende 2003 ging es wieder los, diesmal mit zwei gebrauchten Laptops im Gepäck. Das Ziel dieser Reise war es, mit einem fertigen Roman zurück nach Deutschland zu kommen. Nach einem Jahr Reisen und Recherche mieteten wir uns in Malaysia bei einer chinesischen Familie ein und hauten in die Tasten.


   Wir haben unsere Ziele erreicht. Mein Mann hat seinen Roman geschrieben, ich meinen, und nun ist es tatsächlich da: Das Jadepferd. Ich bin natürlich stolz wie Oskar, dieses Mammutprojekt bewältigt zu haben.


   Das zweite Buch existiert bereits in der Rohfassung, ein drittes und viertes schwirren in meinem Kopf herum. Es sei nur so viel verraten: Auch diese Geschichten sind irgendwo zwischen den Vulkanen Ostindonesiens und den Höhen des Himalayas angesiedelt. Und vielleicht spielen ja auch einmal die griechischen Inseln eine Rolle. Wer weiß. Eins ist
jedenfalls klar: Ich habe eine dritte Leidenschaft entdeckt. Das Bücherschreiben.

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