BÜCHER FÜR INTERESSIERTE

 

   2000 Jahre chinesische Geschichte – hin und wieder wurde mir schwindelig angesichts des gewaltigen Bücherstapels, den durchzuarbeiten ich mir zur Aufgabe gestellt hatte. Und ohne den ich „Das Jadepferd" nicht hätte schreiben können, obwohl ich die Region intensiv bereist habe und kein Museum, keine Grabungsstätte (und kein Restaurant) vor mir sicher war. Wenn auch Marions Geschichte hauptsächlich in der Gegenwart spielt, so müssen die historischen Bezüge selbstverständlich Hand und Fuß haben. Museen und Museumskataloge geben Aufschluss über die Kleidung, über Kunst- und Kultgegenstände der jeweiligen Epoche, uralte Briefe erzählen über die alltäglichen Probleme der Menschen und gaben mir die Möglichkeit, zum Beispiel auch einen sogdischen Karawanenführer mit seinem richtigen Namen und Titel auftreten zu lassen.

   Für alle, die sich für China und im Speziellen die wechselvolle Geschichte Xinjiangs und der Seidenstraße interessieren, liste ich hier Sekundärliteratur auf, die mir weitergeholfen hat.

„Records of the Grand Historian" (Shi ji)


von Sima Qian, übersetzt von Burton Watson,
Revised Edition von 1993 bei Columbia University Press, ISBN 0-231-08166-9


Sima Qian (145 bis 86 v. Chr.) gilt als der erste chinesische Geschichtsschreiber. Das Shi ji beschäftigt sich hauptsächlich mit der Regierungszeit Wu Dis, dessen Zeitgenosse Sima Qian war. Wer einen staubtrockenen Schinken befürchtet, den kann ich beruhigen: Sima Qians Ausführungen lesen sich flüssig und haben in Teilen beinahe Romancharakter.

„Wild West China – The Untold Story of a Frontier Land"


von Christian Tyler, Taschenbuch, 2003 bei John Murray Ltd., London, ISBN 0-7195-63410


Die erste Hälfte des Buchs behandelt die Geschichte Xinjiangs von der Steinzeit bis zum
Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, der zweite Teil ist der modernen Geschichte und Politik gewidmet. Der Autor selbst schreibt in seinem Vorwort: (...) this book is an attempt to explain the background to the present troubles in a region seen by Beijing as one of its biggest political headaches".

„Southern Silk Road – In the Footsteps of Sir Aurel Stein and Sven Hedin"


von Christoph Baumer, gebundene Ausgabe, 2000 bei Orchid Press, Bangkok,
ISBN 974-8304-38-8. Der Titel der Originalauflage lautet: Geisterstädte der südlichen Seidenstraße – Entdeckungen in der Wüste Takla-Makan", 1996 im Verlag Christian Belser,
ISBN 978-3763023349


Reich bebildertes Grabungsabenteuer in den versunkenen Städten der südlichen Seidenstraße mit einem sehr guten Abriss der Geschichte, die gerade in diesem von Völkerwanderungen gezeichneten Gebiet sehr kompliziert und verschlungen ist.

„China – Eine Weltmacht kehrt zurück"


von Konrad Seitz, dritte, wesentlich überarbeitete Auflage des 2000 im Siedler Verlag, Berlin, erschienen Buchs, ISBN 3-88680-646-4


An diesem Buch des ehemaligen deutschen Botschafters in China kommt niemand vorbei, der das heutige China verstehen möchte – zumindest ein wenig. Vollgestopft mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Analysen, die nachdenklich machen und dazu führen, dass man nach der Lektüre das Land aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten vermag.

„Sand-buried Ruins of Khotan"


von Marc Aurel Stein, Erstausgabe 1904 bei Hurst and Blackett, Ltd., London,
Nachdruck 2000 bei Asian Educational Services, New Delhi


Vielen nicht so bekannt wie Sven Hedin, doch nicht ein Quentchen weniger abenteuerlustig und risikobereit, ist Marc Aurel Stein, einer der großen Entdecker (oder Kunsträuber, je nach Standpunkt) des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. In diesem Buch beschreibt er seine Reise 1900/1901 zu den versunkenen Städten Xinjiangs.

„Die Geschichte Zentralasiens und der Seidenstraße in vorislamischer Zeit"


von Hans Wilhelm Haussig, Taschenbuch, 2. erweiterte Auflage von 1992
bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt, ISBN 3-534-07869-1


Der Titel ist Programm: Alles, was man wissen muss und etwa hundertmal mehr. Und wer dann noch Aufnahmekapazitäten hat, kann mit dem Folgeband fortfahren:
„Die Geschichte Zentralasiens und der Seidenstraße in islamischer Zeit".

„Die Seidenstraße – Mythos und Gegenwart"


von Claus Richter, Bruno Baumann, Bernd Liebner, Taschenbuchausgabe 2002
beim Piper Verlag GmbH, München ISBN 3-492-23299-X


„Begleitbuch" zu der ZDF-Fernsehserie Die neue Seidenstraße" – und viel mehr. Eine Mischung aus Sachbuch und mit Informationen gespickter Erfahrungsbericht der drei Autoren.

„The Camel's Load in Life and Death"


von Elfriede Regina Knauer, 1998 bei Akanthus Verlag für Archäologie, Kilchberg/Zürich,
ISBN 3-905083-12-4


Der Untertitel der reich bebilderten wissenschaftlichen Arbeit lautet: „Iconography and ideology of Chinese pottery figurines from Han to Tang and their relevance to trade among the silk routes", und damit ist eigentlich alles gesagt. Nach der Lektüre musste ich Acht geben, nicht zu viele Kamele durch das Jadepferd" schreiten zu lassen.

„China in der Zeit der Han-Dynastie – Kultur und Geschichte"


von Michèle Pirazzoli-t'Serstevens, 1982 bei Office du Livre S.A., Fribourg (Schweiz),
und Verlag W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart, ISBN 3-17-007738-4


Komprimiertes Wissen über die Han-Dynastie, beginnend mit der Reichsgründung und einem kurzen Abriss der Qin-Dynastie. Politik, Kunst, Kultur, Philosophie, Alltag und Dutzende von Abbildungen – dieses im wahrsten Sinne großformatige Buch lässt für den interessierten Laien keine Fragen offen.

„Chinas Goldenes Zeitalter –
Die Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) und das kulturelle Erbe der Seidenstraße"


von Prof. Dr. Dieter Kuhn (Hrsg.), Ausstellungskatalog, Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund 22. August bis 21. November 1993


Beiträge über die Geschichte, Politik, Religion und natürlich die Kultur der Tangzeit. Anhand der erschöpfend erklärten Ausstellungsstücke werden viele Themen aufgegriffen und vertieft.

„Shaanxi History Museum"


von Feng Gengwu (Hrsg.), zusammengestellt vom Shaanxi History Museum,
Shaanxi Tourism Publishing House


Großformatige Bilder und knappe erklärende Texte – dieser Katalog ist mehr etwas fürs Auge, aber in dieser Hinsicht bietet er viel. Hier finden sich die schönsten Stücke der großartigen Sammlung. Und wen es nach Xi'an verschlägt, der sollte auf keinen Fall den Besuch des historischen Museums verpassen!

„Legacy Of the Desert King – Textiles and Treasures Excavated on the Silk Road"


von Feng Zhao und Zhiyong Yu (Hrsg.), Museumskatalog, China National Silk Museum,
Hangzhou, Xinjiang Institute of Archaeology, Urumqi, 2000.10.20-11.20


Viele (sehr gute!) Abbildungen von Fundstücken aus der Grabungstätte Niya am Südrand der Taklamakan. Dort existierte zur Zeit der Han-Dynastie das Königreich Jingjue. Der Schwerpunkt des Katalogs liegt auf Textilien und Kleidungsstücken, die dank des extrem trockenen Klimas in ihrer ursprünglichen Farbpracht erhalten geblieben sind.

„Beyond the Oxus – The Central Asians"


von Monica Whitlock, 2002 bei John Murray (Publishers) Ltd., London, ISBN 0-7195-6402-6


Ein Buch mit Aha-Effekt, fesselnd und informativ. Behandelt wird hauptsächlich die neuere Geschichte der zentralasiatischen Staaten, in deren Kontext auch die Geschichte Xinjiangs zu beurteilen ist. Aus dem Klappentext: „In this book, Monica Whitlock goes far beyond the headlines. Using eyewitness accounts, unpublished letters and firsthand reporting, she enters into the lives of the Central Asians and reveals a dramatic and moving human story unfolding over three generations."

„Life along the Silk Road"


von Susan Whitfield, 1999 bei John Murray (Publishers) Ltd., London, ISBN 0-7195-6401-8


Susan Whitfield, Direktorin des International Dunhuang Project der British Library, verpackt ihr geballtes Wissen in zehn charmante und spannende Episoden, die jeweils anhand eines Individuums, sei es ein Soldat, ein Händler oder ein Beamter, den Alltag auf der Seidenstraße während der Tang-Zeit lebendig werden lassen.

Zum Schluss möchte ich noch das Buch empfehlen, welches mich überhaupt erst auf die Idee
brachte, einen Roman zu schreiben, der in Zentralasien spielt:


„Foreign Devils on the Silk Road"


von Peter Hopkirk, 1980 bei Oxford University Press, ISBN 0-19-281487-7

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